Zahlreiche Zuschauer hörten am Samstagabend Weltmusik und sahen den mit acht Oskars ausgezeichneten Film „Slumdog Millionär“
Seine zweite Auflage erlebte am 13. August 2011 das Musik- und Filmspektakel im Kreuzgang des Bad Langensalzaer Augustinerklosters. Die bereits im vergangenen Jahr sehr erfolgreichen Open-Air-Veranstaltung wurde vom Burgtheater der Kurstadt in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Bad Langensalza organisiert
Und wieder bot die Kulisse des historischen Ortes einen faszinierenden Rahmen für einen kulturellen Beitrag, der sich gleich zwei Genres bediente. Denn sowohl musikalischer Genuss, wie auch ein cineastisches Highlight standen auf dem Programm, welches an erster Stelle dem rührigen Betreiber des Filmtheaters, Sven Helmschrot, zu danken ist. Aber auch die Museumsmitarbeiter taten ihr Bestes, diesen Abend zu einem unvergesslichen werden zu lassen. Unsicherheitsfaktor war indes, wie wohl bei vielen Veranstaltungen in diesem Sommer auch, das Wetter. Mit viel Optimismus hatte man schließlich bereits am Donnerstag entschieden, die Veranstaltung tatsächlich als Open-Air, und nicht mit der Schlechtwettervariante Bergkirche, durchzuführen. Und gleichwohl die Wolken immer mal bedrohlich über dem Klosterhof standen, hielt das Wetter. Erst kurz vor dem Abspann setzte der Regen ein und räumte die Spielstätte recht schnell.
Doch bis dahin erlebeten die zahlreichen Besucher, unter dem Motto „Treffen der Kulturen“, einen Abend, der die Klänge der Weltmusik der Magdeburger Gruppe „Foyal“ beeindruckend mit den dramatischen Bildern des oskarprämierten Films „Slumdog Millionär“ verband.
Die seit dem Jahr 2000 bestehende Band „Foyal“ widmet sich in erster Linie den Musiken der Völker Europas und hat sich im Laufe der Jahren ein umfangreiches Repertoire angeeignet. Aus diesem präsentierten die jungen Musiker mit großer Leidenschaft und dem für diese Musik typischen Temperament, traditionelle Klezmermusik, wie auch die Klangwelt der Roma und bretonische sowie irischen Volksmusik. Dabei spürte man die Freude am Musizieren, welche Ulrike Baumbach (Violine und Gesang), Eberhard Saftien (Flöten und Klarinette), Christian Luther (Schlagzeug und Gitarre) sowie Carsten Apel (Akkordeon) verbindet. Eine Musik, die in Ohr und Herz ging, deren Rhythmen Freude brachten und die offensichtlich beim Publikum ausgesprochen gut ankam.
Nach beeindruckend kurzer Umbaupause fanden sich die Zuschauer im „Klosterkino“ wieder und erlebten mit „Slumdog Millionär“ einen Film über eine unerschütterlichen Liebe, aber auch über Armut, Elend, Gewalt und das ergreifende Leben im Indien unserer Zeit.
In dem mehrfach ausgezeichneten Film des Regisseurs Danny Boyle geht es um den Jungen Jamal Malik, der aus den Slums der Millionenstadt Mumbai (ehemals Bombay) kommt und der in der indischen Version von "Wer wird Millionär" den Hauptpreis – 20 Millionen indische Rupien - knackt. In Form von Rückblenden werden die Erinnerungen Jamals an sein bisheriges Leben gezeigt. Dabei steht jede Quizfrage steht für einen bestimmten Lebensabschnitt. In atemberaubenden, kraftvollen und authentischen Bildern erzählt dieser bemerkenswerte Film ein hinreißenden Lebens- und Liebesabenteuer, das trotz der Elemente von bedrückenden Ansichten und von Brutalität ein Mut machendes Lied auf das Leben ist. In zu Herzen gehenden Szenen taucht der Zuschauer ein in die Welt der Wellblech- und Papphütten, leidet mit den Protagonisten des Filmes und ihrem wechselhaften Schicksal und ist am Schluss aufs Tiefste bewegt. Ganz einfach perfektes Kino! Und somit eine gute Wahl für das zweite Musik- und Filmspektakel im Augustinerkloster. Die gute Resonanz sollte den Veranstaltern Mut machen, diese Reihe im nächsten Jahr fortzuführen.
Reiner Engel


