Gute konjunkturelle Lage im Unstrut-Hainich-Kreis
17.10.2011
Gut gefüllte Auftragsbücher und immer besser ausgelastete Kapazitäten sorgen in der Region für eine positive Geschäftslage und sind eine gute Voraussetzung für eine weitere Belebung des Arbeitsmarktes. Das Tempo des Aufschwungs hat sich zwar verringert, ist aber recht robust. Grund zur Sorge besteht trotzdem nicht. Selbst der Konjunkturklimaindex der IHK Erfurt, der sowohl die aktuelle wirtschaftliche Lage als auch die Erwartungen und Pläne berücksichtigt, erreicht 116 von 200 möglichen Prozentpunkten und stabilisiert sich auf hohem Niveau.
Bei der Beurteilung der aktuellen Situation überwiegen die positiven Einschätzungen. So sehen 48 Prozent der befragten Unternehmer in unserem Kreis ihre gegenwärtige Geschäftslage positiv und 37 Prozent als befriedigend an. Nur 15 Prozent finden, sie sei schlecht, das sind 3 Prozent weniger als im Vorjahr.
Damit werden auch die Arbeitsplätze wieder sicherer, immerhin 9 Prozent der Unternehmer wollen neue Arbeitskräfte einstellen und 87 Prozent haben vor, die Anzahl ihrer Beschäftigten beizubehalten. Im gleichen Vorjahreszeitraum wollten noch 11 Prozent Leute entlassen, davon sprechen heute nur noch 4 Prozent.
Besonders erfreulich ist, dass die Investitionsausgaben wieder verstärkt ins Blickfeld rücken. Dabei stehen Ersatzbedarf und Rationalisierung im Vordergrund. Aber auch für Innovation, Kapazitätserweiterung und Umweltschutz werden Ausgaben eingeplant.
Bei den Geschäftserwartungen und Plänen reagiert man vorsichtig optimistisch. Aber immerhin 65 Prozent aller Befragten gehen von keiner Verschlechterung aus (2010 waren es nur 52), 18 Prozent rechnen sogar mit einem weiteren Konjunkturanstieg.
Dank steigender Investitionen hat auch das Baugewerbe wieder Aufträge zu verzeichnen und zeigt im Kreis keine negativen Veränderungen. Die Anzahl der Betriebe ist gleich geblieben. Die Zahl der Beschäftigten wurde nicht abgebaut. Im Umsatz konnte man ein Plus von 16 Prozent gegenüber 2010 erwirtschaften. Auch in den anderen Landkreisen gibt es - bis auf das Weimarer Land - keine negativen Veränderungen innerhalb der Branche.
Jobmotor ist weiterhin die Industrie. Betrachtet man Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten in Thüringen, verzeichnet die Branche der Herstellung von chemischen Erzeugnissen einen Anstieg der Beschäftigten um 52 Prozentpunkte, gefolgt von der Pharmaindustrie mit 26 Prozent. Die größte Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr verzeichnet ebenfalls die chemische Industrie mit 40 Prozent Zuwachs, vor allem aufgrund eines enorm gestiegenen Auslandsumsatzes. An 2. Stelle liegt hier die Herstellung von Metallerzeugnissen (33 Prozent mehr Umsatz als 2010). Den höchsten Umsatz insgesamt erwirtschaftet die Kfz-Branche mit 2.175.116 T€, allerdings mit einer Erhöhung der Umsatzproduktivität gegenüber dem Vorjahr von nur 8,8 Prozent. Hier haben die Metallerzeugnisse mit 27 Prozent und der Maschinenbau mit 23 Prozent die Nase vorn.
Mittlerweile sind auch die Verbraucher eine wichtige Stütze der Konjunktur geworden. Die gute Beschäftigtenlage hat das Vertrauen der Bürger gestärkt und den privaten Konsum angekurbelt. So dominiert im Einzelhandel und im Gastgewerbe ein verhaltener Optimismus gepaart mit einer gewissen Portion Unsicherheit für die Zukunft, obwohl bei 28 Prozent der Händler und bei 32 Prozent der Gastronomen die aktuelle Geschäftslage gut bewertet wird. Die steigenden Lebenserhaltungskosten werden die Einkaufsfreude dämpfen, auch wenn das Weihnachtsgeschäft dazu kommt. So rechnet jeder fünfte befragte Einzelhändler in Thüringen künftig mit Umsatzrückgängen.
Bei den Insolvenzen insgesamt, nach Wirtschaftzweigen im IHK-Bezirk Erfurt, sind 48 Verfahren weniger als 2010 zu verzeichnen.
Im Unstrut-Hainich Kreis gab es 95 Verfahren (86 in 2010), davon aber nur 4 Unternehmensinsolvenzen (2010 waren es noch 14).
Die Konjunkturumfrage zeigt auch im Unstrut-Hainich-Kreis, dass es leicht bergauf geht. Die Wirtschaft entwickelt sich weiterhin dynamisch. Aber sie bleibt auch anfällig für Erschütterungen, wie steigende Rohstoff-, Gas- und Energiepreise. Angesichts fehlender Lösungen für die Schuldenkrise in einigen europäischen Ländern und fast täglich neuer Meldungen aus den Euro-Ländern, sind die Firmenchefs der rund 900 befragten Betriebe in Nord- und Mittelthüringen inzwischen etwas zurückhaltender in der Einschätzung ihrer künftigen Entwicklung. Man sollte daher die nationalen und internationalen Veränderungen nicht aus dem Auge verlieren, denn diese können immer noch das Konjunkturklima beeinflussen.

