Bad Langensalza

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Stadtprospekte

Johann Christian Wiegleb

Das Stadtmuseum im Augustinerkloster Bad Langensalza erinnert in der ständigen Ausstellung an den Apotheker, Chemiker und Chemiehistoriker Johann Christian Wiegleb.

 

Im Zeitalter der Aufklärung verhalf er auf vielfältige Weise der Wissenschaft, vor allem der Chemie und Pharmazie, zum Durchbruch. Als anerkanntes Mitglied der sich entwickelnden chemiebezogenen Wissenschaftler- gemeinschaft gehörte er zu den Mitbegründern der neuen, wissenschaftlich fundierten Pharmazie am Ende des 18. Jahrhunderts.

 

 

 

Johann Christian Wiegleb wurde am 21.12.1732 in der kursächsischen Amtsstadt Langensalza  als Sohn eines Advokaten geboren. In Dresden erlernte er in einer 6jährigen Ausbildung die Apothekerkunst. 1755 kehrte er nach Langensalza zurück  und eröffnete 1759 seine eigene Apotheke. Bedingt durch Krankheit und zunehmende Schwäche musste er 1796 die Leitung der Offizin abgeben.

 

Über die Tätigkeit als Apotheker hinaus begann sich Wiegleb chemischen Experimenten und Theorien zuzuwenden. Unter dem Einfluss und mit Unterstützung des Arztes Ernst Gottfried Baldinger, der einige Jahre in Langensalza tätig war, veröffentlichte Wiegleb 1767 seine erste chemische Abhandlung zur Theorie vom „Acidum pinguis“. Es folgten eine Vielzahl weitere Werke als Monografien und Zeitschriftenaufsätze, die vor allem in der von Lorenz Crell herausgegebenen ersten chemischen Fachzeitschrift „ Chemisches Journal“ publiziert wurden. Seine wissenschaftshistorische Schrift „ Historisch-kritische Untersuchung der Alchemie...“ war der bedeutendste und überzeugendste Beitrag in jener Zeit gegen die Alchemie und für die Chemie als eine Wissenschaft. Wieglebs außerordentlich umfangreiche publizistische Tätigkeit als Autor, Herausgeber und Übersetzer beweisen seine profunden Chemie-, Sprach-, Literatur- und Geschichtskenntnisse. Seine allgemeine Anerkennung als Chemiker führte 1776 zur Aufnahme in die Kaiserliche Deutsche Akademie der Naturforscher (Leopoldina) und in die Kurmainzische Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt.

 

Wiegleb gründete 1779 die erste private chemische Lehranstalt zur wissenschaftlichen Ausbildung von Apothekern. Mehr als 40 junge Pharmazeuten und Akademiker aus deutschen und europäischen Ländern erhielten bei ihm Unterricht vor allem in Chemie. Mit dem eigens dafür von ihm verfassten „Handbuch der allgemeinen Chemie“ entstand ein Lehrbuch von weitreichender Bedeutung, auch für die folgenden Generationen.

Zwei seiner Schüler, der spätere Professor für Chemie und Technologie an der neu gegründeten Universität Berlin, Sigismund Friedrich Hermbstädt (1760-1833) und der Apotheker, Chemiker und Professor für Chemie an der Universität Jena, Johann Friedrich August Göttling (1753- 1809)  gründeten später ebenfalls chemisch-pharmazeutische Lehranstalten nach Wieglebs Vorbild. Gemeinsam mit dem Langensalzaer Arzt Dr. Johann Christian Traugott Schlegel gab Wiegleb 1793 die zweite überarbeitete Auflage des „Deutschen Apothekerbuches...“ heraus, das in weiteren Auflagen erschien und auf längere Zeit zur Standardliteratur für Apotheker  wurde. Auf Grund seiner hervorragenden chemischen und naturwissenschaftlichen Kenntnisse und seiner charakterlichen Eigenschaften wurde er in seiner Heimatstadt geschätzt und in den städtischen Rat gewählt. Von 1770 bis zu seinem Lebensende war er in verschiedenen Funktionen, seit 1783 als Kämmerer, für die Stadt und ihre Bürger tätig.

 

Wiegleb heiratete 1758 Rebecca Christina Reisig, die Tochter eines  Apothekers. Von ihren sieben Kindern überlebten nur zwei Töchter den Vater. Seit 1789 durch einen Unfall im Laboratorium gesundheitlich stark beeinträchtigt, starb Wiegleb am 16. Januar 1800 in Langensalza. Die Ausstellung im Stadtmuseum beschreibt und würdigt seinen Beitrag zur Entwicklung der Pharmazie und Chemie als Wissenschaften.

 

Vor seinem noch heute erhaltenen Wohnhaus in der Marktstraße 7 erinnert ein Denkzeichen von dem Bad Langensalzaer Künstler Harald Stieding an den verdienstvollen Sohn der Stadt.

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